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Kreuzotter Vipera berus

Von Uwe Manzke

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Kreuzotter: Weibchen, Portrait.

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Kreuzotter: sich sonnendes Männchen mit auffälliger Rückenzeichnung.

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Kreuzotter: Weibchen.

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Kreuzotter: melanistisches Männchen, "Schwärzling".

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Kreuzotter: Portrait melanistisches Männchen.

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Kreuzottern erscheinen recht früh im Jahr, manchmal liegt noch Schnee.

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Kreuzotter: nach der Überwinterung nehmen die Kreuzottern ausgiebige Sonnenbäder, oft (korkenzieherartig) zusammengerollt.

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Kreuzotter: kurz vor der Häutung (getrübtes Auge).

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Kreuzotter: gekielte Schuppen.

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Kreuzotter: Männchen nach der Frühjahrshäutung im "silbergrauen Paarungskleid".

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Kreuzotter: nach Weibchen suchendes Männchen im "silbergrauen Paarungskleid".

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Kreuzotter: Paarung, schwarzes Weibchen und braunes Männchen.

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Kreuzotter: Weibchen mit gerade geborenem Jungtier.

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Kreuzotter: Jungtier.

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Kreuzotter: gelegentlich sonnen sich oder fliehen Individuen in Nadelbäume.

Verbreitung in Niedersachsen

Die Kreuzotter kommt in Niedersachsen in vielen Naturräumen vor, sie fehlt auf den Ostfriesischen Inseln, den Marschen und den Börden. Die heutigen Verbreitungsschwerpunkte korrespondieren mit den erhalten gebliebenen Hochmoor- und Heidegebieten der Geest. Aktuell gibt es nur wenig Nachweise aus dem Westharz und aus dem niedersächsischen Hügel- und Bergland.

Vorkommen in der Region Hannover

Die Kreuzotter kommt in der Region Hannover nur in den nördlichen Geest- und Moorlandschaften vor, in den südlichen Börden fehlt sie.

Lebensraum

Die Kreuzotter bevorzugt eher kühlfeuchtere Habitate. In Niedersachsen sind dies Hochmoore, Hochmoorränder, degradierte Restmoore, angrenzende Heideflächen sowie Sandmagerrasen und Heiden im Tiefland. Auch ist (war) sie in aufgeforsteten Flächen, oft auf sogenannten "Ödländern" anzutreffen.

Im Hügel- und Bergland sowie im Harz wurde die Kreuzotter in Bereichen von lichteren Mischwäldern, jungen Aufforstungen und Basaltbrüchen gefunden, zumeist an wegbegleitenden Böschungen. Nach dem 2. Weltkrieg soll die Kreuzotter bei Buntenbock im Harz häufig auf und an Kahlschlägen zu finden gewesen sein (die Kahlschläge entstanden als "Kriegsentschädigungen" für Großbrittanien). Rezente Nachweise fehlen seit mindestens 20-30 Jahren.

Die Kreuzotter bewohnt unterschiedliche Jahreslebensräume, dies sind die Winterquartiere, die Frühjahrssonn- und Paarungsplätze, die Sommersonn- und Brutplätze der trächtigen Weibchen und die Sommerlebensräume der Männchen und anderen Weibchen.

Winterquartiere sind zum Beispiel in Böschungen, überflutungssicheren Dämmen in Hochmooren, unter Baumwurzeln, in Kleinsäugerbauten , in/unter Lesesteinhaufen und anderen künstlichen Aufschüttungen zu finden. Diese Winterquartiere werden immer wieder aufgesucht, oft gemeinschaftlich mit vielen anderen Kreuzottern, anderen Schlangen, Eidechsen und Amphibien. Vor allem in den Feuchtgebieten des Tieflandes (Hochmoore) mit einer begrenzten Anzahl geeigneter Winterquartiere sind solche "Massenquartiere" zu finden. Den Winterquartieren kommt damit eine äußerst wichtige Überlebensbedeutung für die Kreuzotter zu.

In den Lebensräumen der Kreuzotter leben fast immer auch die Waldeidechse sowie Braunfrösche, vor allem der Grasfrosch.

Genau wie die Blindschleiche benötigt die Kreuzotter in ihren Lebensräumen kleinere Busch- und oder Baumgruppen beziehungsweise entsprechende Waldränder als Rückzugsräume. Dies ist bei Pflegemaßnahmen zu berücksichtigen (keine vollständige Auslichtung).

Biologie und Ökologie

Kreuzottern sind recht variabel gefärbt, typisch ist das "Zick-Zack-Band" auf dem Rücken. Männchen sind meistens kontrastreicher gefärbt, als die Weibchen. In manchen Populationen sind graue bis schwarze und auch rotbraun gefärbte Individuen zu finden.

Die Kreuzotter ist eine recht standorttreue Schlangenart. Jedes Jahr kann man sie an denselben Stellen antreffen. Diese "Standorttreue" bezieht sich auf alle Jahreslebensräume, das Winterquartier, die Frühjahrssonn- und Paarungsplätze und die Brutplätze trächtiger Weibchen im Sommer.

Kreuzottern beenden die Winterruhe bereits ab Mitte/Ende Februar, Anfang März. Zuerst verlassen die Männchen die Winterquartiere und halten ausgiebige Sonnenbäder. Hierbei reifen ihre Spermien. Häufig liegen mehrere Tiere neben- und übereinander. Anschließend, gegen Mitte/Ende April häuten sich die Männchen und gehen im "silbergrauen Paarungskleid" auf Weibchensuche. Treffen zwei Männchen aufeinander führen sie nicht selten "Kommentkämpfe" aus. Nach der Paarung suchen die Männchen ihre Sommerquartiere auf und führen eine sehr versteckte Lebensweise, selten findet man Männchen im Sommer.

Die trächtigen Weibchen suchen die Brutplätze auf und "erbrüten" die Eier im Körperinneren, sie sind ovovivipar. Je nach Witterung werden die jungen Kreuzottern ab Ende Juli, meistens erst ab Mitte/Ende August bis in den Herbst hinein geboren. Manchmal, vor allem in kühleren Jahren, gehen die Weibchen mit den nicht abgesetzten Jungtieren in die Winterquartiere und setzen die Jungen erst im darauffolgenden Frühjahr oder im Winterquartier ab. Während des Erbrütens sollen die trächtigen Kreuzotterweibchen nicht fressen. Aufgrund dieser kräftezehrenden Fortpflanzungsstrategie können die Weibchen nur alle zwei bis drei Jahre Junge zur Welt bringen. In günstigen, nahrungsreichen Jahren gibt es Ausnahmen und die Weibchen gebären in unmittelbar aufeinanderfolgenden Jahren.

Die Kreuzotter ernährt sich von Kleinsäugern, anderen Reptilien und vor allem von Gras- und Moorfröschen. Besonders die jungen Kreuzottern benötigen "mundgerechtes" Futter in Form junger Grasfrösche oder junger Wald- und seltener Zauneidechsen.

Ab Oktober suchen die Kreuzottern ihre Winterquartiere auf.

Artenschutz und Artenhilfsmaßnahmen

Die Kreuzotter hat durch die Zerstörung und Umwandlung ihrer Lebensräume, beispielsweise durch Entwässerung und Abtorfung von Hochmooren, durch das Umbrechen und "unter den Pflug nehmen" und Aufforsten von Heideflächen und Sandmagerrasen vielerorts gravierende Bestandseinbußen zu verzeichnen. Aber auch die fehlende Bewirtschaftung der Magerstandorte durch Schaf- und Ziegenbeweidung hat zu einer Verbuschung mit nachfolgender Bewaldung und dem Verlust dieser Lebensräume geführt. Seit den 1960er Jahren sind weiterhin auch die naturnahen Randbereiche der Hochmoore durch die zunehmende intensive landwirtschaftliche Nutzung immer kleinflächiger geworden.

Neben dem direkten Verlust der Lebensräume spielt die zunehmende Verbuschung und Ausschattung wegbegleitender, erhalten gebliebener Rückzugsräume eine weitere entscheidende negative Rolle. Auch die Befestigung von Wirtschaftswegen (Schwarzdecken) und falsche Mahdzeitpunkte der Wegränder führen zu einer Verdrängung und direkten Individuenverlusten. Zu nennen ist weiterhin das illegale Umbrechen und "unter den Pflug nehmen" der linienhaften Weg- und Waldränder.

Viele Maßnahmen zum Schutz der Kreuzotter müssen in Zusammenarbeit mit den Waldnutzern und Besitzern (Staatsforst, Privatwald, Kloster- und Kirchenwälder) abgesprochen und umgesetzt werden. Die Maßnahmen müssen mit einer nachhaltigen, jahrzehntelangen Gewährleistung durchgeführt werden (Erhalt und Etablierung von Winterquartieren, Frühjahrssonn- und Paarungsplätzen sowie Brutplätzen).

Kleingewässeranlagen und der Erhalt der Laichplätze von Gras- und Moorfröschen sind weitere wichtige Maßnahmen, da insbesondere junge Kreuzottern auf junge Braunfrösche (und junge Waldeidechsen) als Erstfutter angewiesen sind.

Für Hinweise zu Überwinterungsplätzen, Paarungsplätzen und Sonnplätzen trächtiger Weibchen dieser ehemals weit verbreiteten Art bin ich dankbar (Region Hannover).

Schildkröten

 

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Kreuzotter Vipera berus, großes Männchen vor der Frühjahrshäutung, sich sonnend.

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Kreuzotter Vipera berus, Männchen, gerade aus dem Winterquartier erwacht und noch mit Erde behaftet.

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Kreuzotter Vipera berus, Männchen nach der Frühjahrshäutung im silbergrauen Paarungskleid.

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Kreuzotter Vipera berus, Männchen nach der Frühjahrshäutung im silbergrauen Paarungskleid.

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Kreuzotter Vipera berus, melanistisches (schwarzes) Weibchen beim "Frühjahrssonnenbad".

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Kreuzotter Vipera berus, dasselbe Tier, gut zu sehen sind die abgespreitzten Rippen zur Oberflächenvergrößerung (mehr besonnte Fläche).

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Kreuzotter Vipera berus, Hätung (Exuvie), links der "strumpfartig" eingerollte Kopfbereich.

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Kreuzotter Vipera berus, Paarungssituation (helles und kleineres Männchen; dunkles und größeres Weibchen).

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Kreuzotter Vipera berus, trächtiges, melanistisches Weibchen im Sommer.

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Kreuzotter Vipera berus, Männchen mit Penisvorfall. Männliche Schlangen (und andere Reptilien) besitzen zumeist zwei Penisse (Penae). Während der Paarung "verankern" sich diese in der weiblichen Kloake mithilfe stacheliger/bedornter Strukturen. Dies verhindert, dass andere Männchen diese Penae aus der Kloake entfernen können (vergleiche z.B. "Penisknochen" beim Hund und anderen Säugern). Werden die Paare während der Begattung gestört, flieht das größere Weibchen, und zieht das kleinere Männchen hinter sich her. Manchmal kann es dabei zu Verletzungen im Kloakenbereich kommen, beispielsweise auch zu einem Penisvorfall. Es kann einige Tage dauern, bis sich der Penisvorfall zurückbildet (erigierte und mit Blut gefüllte Schwellkörper; vgl. Priapismus beim Menschen) und die Männchen in der Lage sind die Geschlechtsorgane wieder in die Schwanzwurzel zurück zu ziehen.

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Kreuzotter Vipera berus, Penisvorfall, gut zu sehen sind die geschwellten Penae und die stacheligen Strukturen.

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Kreuzotter Vipera berus, manchmal (oft ?) kann man an den Paarungsplätzen der Kreuzotter ausgetretenes Blut finden.

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Kreuzotter Vipera berus, Pileusbeschilderung (Kopfschuppen) verschiedener Individuen. Ähnlich dem menschlichen Fingerabdruck ist die Kopfbeschilderung der Kreuzotter ein unverwechselbares individuelles Erkennungsmerkmal. Dargestellt sind drei verschiedene Männchen. Welches Tier wurde zweimal abgebildet?

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Kreuzotter Vipera berus, über einen Waldweg kriechend. Zu sehen ist die typische schlängelnde Kriechbewegung der Schlangen.

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Kreuzotter Vipera berus, überfahrenes Weibchen, welches eine halbwüchsige Wanderratte Rattus norvegicus im Magen hatte (die Aufnahme entstand bei Regen).

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Kreuzotter Vipera berus, sich in einer Spalte versteckend (ruhend). Fast alle terrestrisch lebenden Reptilien ziehen sich gerne in Spalten- und Lückensysteme zurück. Dies können Legesteinmauern, aber auch hohl aufliegende Felsbrocken und Steinplatten sein.

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Kreuzotter Vipera berus, Suchbild.

Schildkröten