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Ungarischer Blutegel, Österreichischer Blutegel
Hirudo verbana (Hirudo medicinalis officinalis)

Von Uwe Manzke

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Ungarischer Blutegel Hirudo verbana.

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Zum Vergleich: der Medizinische Blutegel Hirudo medicinalis.

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Ungarischer Blutegel Hirudo verbana gefangen in der Wedemark, Region Hannover. Das Aussetzen von Blutegeln ist verboten und schadet der heimischen Natur und ihren Bewohnern (Belegfoto: Ober- /Unterseite).

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Jungtier des Ungarischen Blutegels H. verbana gefunden am selben Fundort in der Wedemark. Dies ist der zweite Nachweis einer reproduzierenden Freiland-Population in Deutschland.

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Ungarischer Blutegel Hirudo verbana saugt an Erdkröte (Aufnahme stammt aus Baden-Württemberg).

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Ungarischer Blutegel Hirudo verbana Bauchzeichnung / Unterseite (der Kopf ist links) (Aufnahme stammt aus Hessen).

Natürliche Verbreitung

Der Ungarische Blutegel Hirudo verbana kommt natürlicherweise nicht in Deutschland vor. Es gibt zwar Funde aus verschiedenen Teilen Deutschlands (inklusive reproduzierender Populationen!), doch beruhen diese auf Aussetzungen. Stichprobenartige Untersuchungen (DNA-Analysen) durch Dipl.-Biol. Andreas Weck-Heimann (Senckenberg Dresden) zeigten, dass die untersuchten Tiere ihren "Ursprung" im rumänischen Donau-Delta haben.

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Art liegt in Südeuropa (z. B. Italien, Balkanhalbinsel) und vor allem in Südosteuropa (z. B. Österreich, Ungarn, "rund um das Schwarze Meer") und im vorderen Asien (z. B. Türkei, Iran).

Verbreitung in Niedersachsen und in der Region Hannover

In Niedersachsen ist mir bisher nur ein Fund in der Region Hannover in einem Laubfroschgewässer bekannt geworden (Nachweis 2016). Oft werden die "lieben Tierchen" nach einer Behandlung an Mensch oder Tier wegen ihrer "Guten Dienste" nicht abgetötet, wie es vom Gesetzgeber gefordert wird, sondern einfach in der Natur freigelassen. Diese Aussetzungen gefährden den heimischen "Naturhaushalt". Eine Überprüfung dieses Fundes im Jahre 2017 zeigte, dass in dem Gewässer neben geschlechtsreifen Tieren auch Jungtiere leben. Das bedeutet, dass sich die ausgesetzten H. verbana dort zumindest 2016 erfolgreich fortgepflanzt haben.

Lebensraum

Die Art bewohnt ähnliche Lebensräume wie Hirudo medicinalis.

Artenschutz in der Region Hannover

Da in der therapeutischen Behandlung mit Blutegeln in Deutschland zumeist der Ungarische Blutegel H. verbana angewendet wird, ist es denkbar, dass "gutgemeinte", aber falsche Freisetzungen nach der Behandlung zu wildlebenden und freilebenden Populationen führen können. Oft werden zwischen drei bis neun Egel eingesetzt, auch sieben sind beliebt. Die Freisetzungen geschehen daher oft in größeren Gruppen, was schnell zu einer unerwünschten Etablierung allochthoner (gebietsfremder) Blutegel führen kann.

Die Art ist jedoch ein fremdländisches Faunenelement und sollte daher nicht ausgesetzt oder gar angesiedelt werden. Sollten Funde bekannt werden, ist zu untersuchen, ob sich die Tiere am Fundplatz oder deren Umgebung auch reproduzieren.
Sollten Populationen des Ungarischen Blutegels existieren, sind diese ist in Absprache mit den zuständigen Behörden (Schutzstatus!) unmittelbar zu entfernen. Das bedeutet, dass die Tiere sofort nach deren Entdeckung weggefangen werden sollten, und unmittelbar danach der Kontakt zur zuständigen unteren Naturschutzbehörde aufgenommen werden sollte. Die Tiere können eventuell für weitere Untersuchungen (lebend) genutzt werden. So kann man die Nahrung analysieren (Menschen- oder Tierblut, Amphibienblut, etc.), aber auch die "Zuchtlinie" (Herkunft) herausfinden. Solltet Ihr daher Ungarische Blutegel in Deutschland finden, könnt Ihr Euch gerne an mich wenden, bitte aber auch an die untere Naturschutzbehörde. Ich werde dann den notwendigen Kontakt vermitteln.

Vielfraßegel