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Medizinischer Blutegel, Deutscher Blutegel, Preussischer Blutegel Hirudo medicinalis

Von Uwe Manzke

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Medizinischer Blutegel: der Kopf ist rechts.

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Medizinischer Blutegel: gut zu sehen, der hintere und der Mundsaugnapf.

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Medizinischer Blutegel: Bauchzeichnung, links der hintere Saugnapf.

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Medizinischer Blutegel: Bauchzeichnung, oben hell; unten sehr dunkel.

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Medizinischer Blutegel: drei Tage alter Kokon, oben noch Schaumreste.

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Medizinischer Blutegel: saugt an Grasfrosch.

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Medizinischer Blutegel: saugt an Laubfrosch.

Verbreitung in Niedersachsen

Über die Verbreitung des Medizinischen Blutegels Hirudo medicinalis in Niedersachsen bestehen große Wissenslücken. Mir sind Vorkommen im mittleren Elbetal, im Lk. Uelzen, in der Region Hannover, im Braunschweiger und Gifhorner Raum sowie im Raum Vechta bekannt.

Vorkommen in der Region Hannover

In der Region Hannover kenne ich nur Vorkommen im Leinetal bei Garbsen und an einem Laubfroschgewässer im Bereich des Ahltener Waldes.
Für weitere Fundortmeldungen bin ich dankbar!

Lebensraum

Der Medizinische Blutegel bevorzugt flache, sonnenexponierte sich schnell erwärmende und pflanzenreiche Kleingewässer und Niedermoore. Typisch sind Überschwemmungstümpel, Flutmulden, Qualmwasser und Altwasser in den Überflutungsauen von Flüssen, zum Beispiel der mittleren Elbe und der Leine in der Region Hannover. Diese haben oft temporären Charakter. Abseits der Flussauen sind Vorkommen aus den verschiedensten Kleingewässern mit oben genannten Strukturen bekannt, auch gibt es Nachweise aus Waldgewässern.

Wichtig scheint für das Vorkommen von Blutegeln das Vorkommen individuenreicher Amphibien-Populationen, insbesondere großer Laichgesellschaften von Erdkröte, Braun- und/oder Wasserfröschen zu sein.

Der Medizinische Blutegel kann sehr gut schwimmen, typisch sind hierbei die wellenförmigen Bewegungen.

Biologie und Ökologie

Der medizinische Blutegel gehört zu den Kieferegeln und ist ein blutsaugender Ektoparasit. Die Egel saugen an Wirbeltieren (Fische, Amphibien, Vögel, Säuger), bevorzugt an Amphibien und Säugetieren. Blutegel sollen relativ alt werden können, in der Literatur finden sich Angaben von bis zu 27 Jahren.

Junge Blutegel ("Schlüpflinge") ernähren sich auch von verschiedenen Wirbellosen, z. B. Schnecken.

Die Egel überwintern am Gewässergrund und werden mit zunehmender Tageslänge und steigenden Temperaturen im Frühjahr aktiv (ab ca. 7-8 Grad Celsius). Zur Laichzeit der frühlaichenden Braunfrösche und der Erdkröte suchen sie diese aktiv auf, um an ihnen Blut zu saugen. Die Froschlurche haben eine einfache aber effektive Abwehrstrategie entwickelt. Sie verlassen das Wasser und streifen die Blutegel an Land ab, oft lassen die Blutegel an Land auch von selber von ihrer Beute ab. Die Egel sollen an allen denkbaren Amphibien und deren Larven saugen, für die Kaulquappen und die Schwanzlurche dürfte dies zumeist tödlich sein. Aber auch ausgewachsene Froschlurche können je nach Befallsdichte sterben.

H. medicinalis sind protandrische Zwitter und pflanzen sich in der wärmeren Jahreszeit fort. Ungefähr vier Wochen nach der Paarung legen die Blutegel zwischen Juli und September Kokons mit den Eiern und Nährsubstanz oberhalb der Wasserlinie in feuchte bis nasse Uferbereiche ab. Die Jungen schlüpfen oft bereits nach vier Wochen, einige auch erst im folgenden Frühjahr und überwintern dann in den Kokons.

Die Blutegel ernähren sich bevorzugt von Amphibienblut, dies gilt für junge und geschlechtsreife Egel. Im Gegensatz zu der allgemein geläufigen "Lehrmeinung" dass Blutegel zur Fortpflanzung (Geschlechtsreife) unbedingt Säugerblut benötigen, ist es mittlerweile u.a. experimentell bewiesen, dass es auch mit "Froschblut" geht. Allerdings soll Säugerblut einen höheren Nährwert besitzen, die Egel wachsen schneller und auch die Reproduktionsrate soll mit Säugerblut höher sein (im Labor!). Je nach Nahrungsangebot werden die Blutegel mit ca. drei bis fünf Jahren geschlechtsreif.

Artenschutz in der Region Hannover

In der Region Hannover sind mir keine speziellen Artenhilfsmaßnahmen für den Blutegel bekannt. Durch Kleingewässer- und Amphibienschutzmaßnahmen profitiert sicherlich auch der Blutegel, soweit es noch Vorkommen in den entsprechenden Gebieten gibt.

Aber auch für Niedersachsen und Deutschland sind mir keine speziellen Artenhilfsmaßnahmen oder Programme für den Mediznischen Blutegel bekannt, im Gegensatz zu einigen anderen europäischen Staaten.

Von großem Interesse sind daher weitere Nachweise, die Dokumentation und die Auswertung der Funde. Bitte teilen Sie mir Funde des Medizinischen Blutegels mit.

Ungarischer Blutegel

 

Weitere Beispiele der Prädation an Amphibien

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Medizinischer Blutegel: Narbe an Kopf eines Laubfroschmännchens.

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Medizinischer Blutegel: Narben an Kopf eines Laubfroschmännchens.