Frosch, Wasser & Co
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Kreuzkröte © U. Manzke

Schnellwahl: Thumbnails

Amphibien oder auch Lurche

Alle Arten der Region Hannover und Niedersachsens in Text und Bild

Von Uwe Manzke

Der "Froschkönig" in seinem Reich: alle einheimischen Amphibienarten in der Region Hannover und in Niedersachsen werden vorgestellt.

Amphibien oder auch Lurche bewohnen die unterschiedlichsten Lebensräume. Mit Ausnahme des Alpensalamanders - der in Niedersachsen nicht heimisch ist - benötigen alle in Deutschland lebenden Arten für die Fortpflanzung geeignete Gewässer. Vor allem fischfreie Kleingewässer und flache, temporäre Tümpel sowie überstaute/überschwemmte Wiesen (sofern noch vorhanden) werden zur Fortpflanzung aufgesucht.

In Deutschland sind 21 Amphibientaxa (d.h. 20 Arten und ein Hybrid/Mischling) heimisch. In der süddeutschen Oberrheinebene lebt mittlerweile (leider) auch der Nordamerikanische Ochsenfrosch, eine fremdländische, invasive Art. In Niedersachsen kommen 19 Amphibien-Taxa natürlicherweise vor:

    Anzahl in Niedersachsen natürlich vorkommender Amphibientaxa
    • 5 Schwanzlurcharten und
    • 14 Froschlurchtaxa (inklusive 1 Hybrid).

Davon leben nur drei Froschlurcharten nicht in der Region Hannover, die Rotbauchunke, die Wechselkröte und der Springfrosch. Im Folgenden stelle ich alle niedersächischen Amphibientaxa vor.

Der Nordamerikanische Ochsenfrosch Lithobates (Rana) catesbeianus wutrde zum Glück noch nicht in Niedersachsen angesalbt, es gibt aber einen älteren Fund an der Aller.

Den nordamerikanischen Ochsenfrosch Lithobates (Rana) catesbeianus stelle ich nicht vor. Die Art wurde in den Rheinauen Süddeutschlands ausgesetzt. Dort wird versucht, diese unerwünschte und invasive Art wieder zu entfernen. In Niedersachsen ist bisher nur ein Fund an der Aller bekannt geworden. Überwiegend werden Seefrösche oder Kaulquappen der Wasserfrösche und der Knoblauchkröte mit Ochsenfröschen verwechselt.
Im niedersächsischen Solling soll es seit einigen Jahren eine Population einer italienischen Höhlensalamanderart Speleomantes cf. italicus geben.

Im Laufe der letzten Jahre ist eine große Diskussion um die wissenschaftlichen Namen der einzelnen Amphibientaxa auf der Welt entbrannt. Ich verwende nun auch diese neuen Namen. Vor allem haben sich einige Gattungsbezeichnungen geändert. Zum besseren Verständnis sind die alten Gattungs-Namen in Klammern gesetzt.

Grünlandumbruch auf Moorböden.

Grünlandumbruch für Maisanbau ist "das Aus" für die Amphibien.

Im Herbst 2009 sind die überarbeiteten Roten Listen der gefährdeten Wirbeltiere Deutschlands neu herausgegeben worden. Die Roten Listen sollen alle 10 Jahre aktualisiert werden, um den möglichst aktuellen Bestandstrend beziehungsweise eine mögliche Gefährdung der einzelnen Arten darzustellen. Meiner Ansicht nach, sind die Einstufungen im Falle der Amphibien allerdings nicht für jede Art korrekt wiedergegeben, vor allem weil die Kriterien für die Einstufung nicht immer nachvollziehbar sind. Darüberhinaus werden bei den neu eingeführten "Risikofaktoren" die gravierenden Negativfaktoren wie anhaltender massiver Grünlandumbruch und der zunehmende Anbau von Mais für die Bioenergieproduktion insbesondere auf Stilllegungsflächen nicht berücksichtigt. In Niedersachsen mußte (!) daher im Herbst 2009 ein Umbruchverbot für Grünland erlassen werden. Der Maisanbau auf Stilllegungsflächen ist von 2005 bis 2007 von "nur" 3.688 ha auf über 92.000 ha im Jahre 2007 angewachsen [Quelle: Die niedersächsische Landwirtschaft in Zahlen 2009; Hrsg. Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung (2. Auflage, korr. Februar 2009) PDF auf den Seiten des Ministeriums ]. Nicht zuletzt verschwinden die letzten Naturlandschaften in den Auen Deutschlands zusehends, in Niedersachsen ist der Verlust von Retentionsräumen (Überschwemmungsflächen) vor allem an der Elbe, Weser, Aller und Leine zu nennen (zum Auenzustandsbericht 2009 des BfN.

Die Roten Listen sollen die Gefährdung der einzelnen Arten im jeweiligen Bezugsraum darstellen. Im Idealfall steht keine Tier- oder Pflanzenart auf diesen Listen. Dies ist aber nicht der Fall, im Gegenteil, die Listen werden immer länger und umfangreicher. Im Fall der Amphibien ist weltweit ein katastrophaler Rückgang und Artenverlust zu verzeichnen. Die Amphibien sind die mit Abstand gefährdetste Wirbeltiergruppe weltweit.

Zwischen 2004 und 2009 informierte ich mit dem NABU auf dem Umweltforum im Schulbiologiezentrum in Hannover über das Amphibiensterben.

Die Ursachen liegen zumeist in menschlichen Aktivitäten. Wobei oft nicht ein einziger Faktor, sondern ein Komplex verschiedener Negativ-Faktoren verantwortlich ist. An erster Stelle steht dabei nach wie vor die Lebensraumzerstörung. Weltweit sind "nur" ca. 6.300 Amphibienarten bekannt. Bereits ein Drittel bis die Hälfte der Frösche, Kröten, Unken, Salamander, Molche und Blindwühlen sind vom Aussterben bedroht. Über 120 Arten sind in den letzten Jahren ausgestorben. Experten sprechen vom größten Massensterben seit dem Aussterben der Dinosaurier. Auch in Deutschland und Niedersachsen sind 3/4 der Amphibienarten gefährdet.

Weltweit wird daher auf den dringenden Schutz der Amphibien hingewiesen. 2008 wurde zum Jahr des Frosches ausgerufen, um auf die katastrophale Situation hinzuweisen. Schirmherr dieser weltweiten Kampagne unter dem einprägsamen Namen "Amphibianark / Amphibienarche" ist der bekannte britische Filmautor Sir David Attenborough. Auf meine Initiative hin, hatte sich damals auch der NABU Regionalverband Hannover an der Kampagne beteiligt.

Helft mit, unsere einzigartige Amphibienwelt zu erhalten. In erster Linie gilt es, die Laichgewässer (= Nester, Kinderstuben, "Vogelkästen") zu erhalten, zu pflegen, zu entwickeln und neue (alte) Kleingewässer wieder anzulegen. Aber auch der Erhalt und die Wiederherstellung der Landlebensräume inklusive der notwendigen Vernetzungsstrukturen gehören dazu.

zu den Schwanzlurchen

Rote Listen

Ich habe immer wieder überlegt, ob ich den "offiziellen" Gefährdungsstatus der Amphibien und anderer Arten darstellen sollte. Unabhängig der manchmal zu diskutierenden Einstufungen (Gefährdungsstatus/-einstufung) spricht zumindest ein Argument dafür: diese Internet-Seiten wollen aufklären, dokumentieren und informieren. Daher führe ich die Roten Listen der Amphibien hier nur in Kurzform bei der Schnellwahl: Thumbnails auf. An dieser Stelle diskutiere ich die jeweiligen Einstufungen allerdings nicht, dies geschieht bei einigen Artenportraits.

Oft wird behauptet (leider auch von vielen engagierten Naturschützern), dass die Arten der Roten Liste "per se" gesetzlich geschützt sind, da sie in den Roten Listen geführt werden. Dies ist falsch.
Richtig ist, dass viele geschützte Arten allerdings in den Roten Listen stehen.

Der Schutzstatus wurde früher in der BundesArtenschutzVerordnung (BArtSchV) festgelegt. Die BArtSchV ist mittlerweile in das BundesNaturSchutzGesetz (BNatSchG) integriert worden.
Grundsätzlich sind alle einheimischen (aber auch alle europäischen!) Amphibienarten geschützt. Das heißt, sie dürfen beispielsweise ohne Genehmigung nicht gefangen oder gehalten werden.
Weitere Informationen gibt es auf den Seiten des Bundesamtes für Naturschutz Wisia.de.

Es gibt noch weitere, vom Gesetzgeber, inklusive von der EU, bestimmte Schutz- bzw. Handlungsrichtlinien. Hierzu zählt zum Beispiel die "FFH-Richtlinie" [korrekt: Richtlinie 92_43_EWG (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie)]. Für den unmittelbaren Artenschutz sind hier die Anhänge 2, 4 und 5 relevant. Auch hier möchte ich auf die Seiten des Bundesamtes für Naturschutz Wisia.de verweisen.

zu den Schwanzlurchen

Hier gelangt Ihr zu den Artenportraits

Tipp: Bei den Froschlurchen sind die arttypischen Rufsequenzen bereitgestellt. Möchtet Ihr diese unterdrücken, fahrt mit der Maus über das Lautsprechersymbol und betätigt das entsprechende Menü. Oder stellt das Ausgabegerät stumm.
Für die freundliche Genehmigung zur Verwendung der Rufsequenzen möchte ich dem "Natur und Text - Verlag, Brandenburg" recht herzlich danken.
Zu den Artenportraits gelangt Ihr, indem Ihr mit dem Mauszeiger auf ein Bild klickt.
Unter den Artnamen ist der jeweilige Rote Liste Status aufgeführt (RL = Rote Liste, Nds. = Niedersachsen - Stand: 2013, D = Deutschland - Stand: 2009).
Abkürzungen: 1 = vom Aussterben bedroht; 2 = stark gefährdet; 3 = gefährdet; G = Gefährdung unbekannten Ausmaßes; V = Vorwarnliste; * = ungefährdet.

Quellen für die Amphibien-Artmonographien:
Neben meinen langjährigen Erfahrungen wurden vor allem die folgenden Quellen, insbesondere zur landesweiten Verbreitung der einzelnen Arten genutzt. Die Aufzählung der vielen anderen spezielleren Quellen würde den "Rahmen dieser Seiten sprengen" (zu den Quellen). Zu den "speziellen Quellen" möchte ich neben den Regional-Faunen unbedingt die vielen heute scheinbar nicht mehr veröffentlichungswürdigen anekdotischen "Zufallsbeobachtungen" der Vergangenheit zählen, zeigen diese doch oft, dass es noch mehr gibt, als die "Lehrbuchmeinung(en)" .

 

Quellen-Auswahl (alphabetisch):
Dürigen, B. (1896): Deutschlands Amphibien und Reptilien. - Magdeburg (Creutz), 676 S. // Günther, R. (Hrsg.) (1996): Die Amphibien und Reptilien Deutschlands. Gustav Fischer Verlag, Jena. // Heckenroth, H. & G. Lemmel (1980): Zur Situation der Lurche und Kriechtiere in Niedersachsen. Stand 31.12.1978. - 25 Verbreitungskarten mit Text. // Lemmel, G. (1977): Die Lurche und Kriechtiere Niedersachsens. - Naturschutz Landschaftspfl. Niedersachs., Hannover, Heft 5: 1-75. // Podloucky, R. & C. Fischer (1991): Zur Verbreitung der Amphibien und Reptilien in Niedersachsen. Zwischenauswertung mirt Nachweiskarten von 1981 - 1989. - Nieders. Landesverwaltungsamt, Fachbehörde für Naturschutz, Hannover (Arbeitsmaterial). // Podloucky, R. & C. Fischer (1994): Rote Listen der gefährdeten Amphibien und Reptilien in Niedersachsen und Bremen (3. Fassung, Stand 1994). - Informationsdienst Naturschutz Niedersachs., Hannover, 14(4): 109-120.// Podloucky, R. & C. Fischer (2013): Rote Listen und Gesamtartenlisten der Amphibien und Reptilien in Niedersachsen und Bremen. 4. Fassung, Stand Januar 2013. - Informationsdienst Naturschutz Niedersachs., Hannover, 33(4): 121-168.// Rühmekorf, E. (1970): Die Verbreitung der Amphibien und Reptilien in Niedersachsen. - Beitr. Naturk. Nieders., 22: 67-131. // Schulze, E. & F. Borcherding (1893): Fauna Saxonica. Amphibia et Reptilia. Verzeichnis der Lurche und Kriechtiere des nordwestlichen Deutschlands. - Jena (Fischer), 47 S. // Wolterstorff, W. (1893): Die Amphibien und Reptilien der nordwestdeutschen Berglande. - Jber. Abh. naturwiss. Ver. Magdeburg 13: 1-242.

Ausgewählte Art-Monographien und Tagungsbände (alphabetisch, nach Art, dann chronologisch):
Gelbbauchunke: Niekisch, M. (1996): Die Gelbbauchunke: Biologie, Gefährdung, Schutz. – Ökologie in Forschung und Anwendung 7. // Thüringer Landesanstalt für Umwelt, Abteilung Naturschutz und Landschaftspflege (Hrsg.) (1996): Verbreitung, Ökologie und Schutz der Gelbbauchunke. Naturschutzreport 11.
Knoblauchkröte: Nöllert, A. (1984): Die Knoblauchkröte. – Neue Brehm Bücherei Bd. 561. // Krone, A. (Hrsg.) (2008): Die Knoblauchkröte (Pelobates fuscus). Verbreitung, Biologie, Ökologie und Schutz. – RANA, Sonderheft 5.
Laubfrosch: Tester, U. (1990): Artenschuetzerisch relevante Aspekte zur Oekologie des Laubfroschs (Hyla arborea. Inauguraldissertation, Philosophisch-Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Basel. // Stumpel, A. A.H.P. & U. Tester (Hrsg.) (1993): Ecology and Conservation of the European Tree Frog. – Proceedings of the 1st International Workshop on Hyla arborea, 13-14 February 1992, Potsdam, Germany. // Grosse, W.R. (1994): Der Laubfrosch. – Neue Brehm Bücherei Bd. 615. // Geiger, A. (Hrsg.) (1995): Der Laubfrosch (Hyla arborea L.) - Ökologie, Artenschutz. The European Treefrog (Hyla arborea) Ecology and Conservation. – Mertensiella 6. // Glandt, D. & D. Kronshage (Hrsg.) (2004): Der Europäische Laubfrosch (Hyla arborea). Biologie - Schutzmaßnahmen - Effizienzkontrolle. – Supplement der Zeitschrift für Feldherpetologie 5, Laurenti.
Rotbauchunke: Krone, A. & D. Kühnel (1996): Die Rotbauchunke (Bombina bombina). Ökologie und Bestandssituation. – RANA Sonderhaft 1.
Wasserfrösche: Günther, R. & R. Klewen (Hrsg.) (1988): Beiträge zur Biologie und Bibliographie (1960-1987) der europäischen Wasserfrösche. – Jahrbuch f. Feldherpetologie, Beiheft 1. // Günther, R. (1990): Die Wasserfrösche Europas. – Neue Brehm Bücherei Bd. 600.
Wechselkröte: Podloucky, R. & U. Manzke (Hrsg.) (2003): Verbreitung, Ökologie und Schutz der Wechselkröte (Bufo viridis). Distribution, Ecology and Conservation of the Green Toad (Bufo viridis). – Mertensiella 14.