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Kleiner Feenkrebs Tanymastix stagnalis
(Eichener Feenkrebs,Teichkiemenfuß, Kleiner Frühjahrs-Feenkrebs, Sumpf-Feenkrebs)
Von Uwe Manzke
T. stagnalis: Weibchen.
Tanymastix stagnalis.
T. stagnalis: Männchen, 2. Antennenpaar.
T. stagnalis: Weibchen.
T. stagnalis: Weibchen sind oft rötlich-orange gefärbt, auffallend ist der ballonförmige rote Brutsack (vgl. E. grubii rot-orange, B. schaefferi blau-gelb).
T. stagnalis: Brutsack mit den zwei Dornen und Eiern (Zysten).
T. stagnalis: Männchen sind oft grünlich bis smaragdgrün gefärbt (vgl. E. grubii rot-orange Männchen).
T. stagnalis: Männchen (smaragdgrün).
T. stagnalis: Männchen und Weibchen in Schale fotografiert, beachte runden und rötlich gefärbten Brutsack des Weibchens.
T. stagnalis: Männchen und Weibchen in einem Rollrandglas fotografiert, beachte runden und rötlich gefärbten Brutsack des Weibchens.
Tanymastix stagnalis: die Paarung (Penetration) dauert noch lange an, nachdem die Klammerung mit den Antennen gelöst wurde.
Vorkommen in Deutschland
Der Kleine Feenkrebs Tanymastix stagnalis wurde in Nord-Deutschland bisher vor allem an der Elbe gefunden. Ein einmaliger, älterer Fundnachweis liegt für die Insel Sylt vor. Die alten Funde am Main sind wahrscheinlich durch eine Fehlbestimmung, respektive Nutzung des Synonyms Branchipus stagnalis bedingt. Weitere Funde in Süddeutschland liegen im Alpenvorland entlang von "eiszeitlichen Abflussrinnen".
Verbreitung in Niedersachsen
Der Kleine Feenkrebs Tanymastix stagnalis wurde rezent nur an wenigen Orten in Niedersachsen nachgewiesen. Drei Funde gelangen in, beziehungsweise an Auwaldbereichen entlang der Elbe. Es sind nur vier Nachweise dokumentiert, wobei der vierte Nachweis aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert bei Braunschweig (Timmerlaher Busch) stammt und als Fund des Sommer-Feenkrebses Branchipus schaefferi beschrieben worden sein soll. Der Status ist allerdings unklar, es ist nicht bekannt, ob T. stagnalis dort vorgekommen ist.
Vorkommen in der Region Hannover
T. stagnalis wurde bisher nicht in der Region Hannover gefunden. Da die Art in Niedersachsen mit E. grubii vergesellschaftet vorkommt, sollten alle E. grubii Fundorte noch einmal genauer auf mögliche Vorkommen von T. stagnalis überprüft werden.
Lebensraum
Alle rezenten Funde von T. stagnalis in Niedersachsen gelangen in Druckwassertümpeln (Qualmwasser) im Einzugsbereich der Elbe. Zwei der Nachweise gelangen sogar auf "Ackerflächen", ein weiterer Fund wurde in einem erlenumstandenen "Restloch" gemacht. Für den historischen Fund bei Braunschweig können keine detaillierten Angaben gemacht werden.
Damit entspricht der Lebensraum (großräumig betrachtet) den Lebensräumen von Eubranchipus grubii und Lepidurus a. apus.
Biologie und Ökologie
T. stagnalis wird zu den Frühjahrsformen gezählt, die Art kann aber auch im Sommer gefunden werden (je nach Wasserregime). Auf jeden Fall ist die Art viel wärmetoleranter, als die verwandte Art Eubranchipus grubii. In Niedersachsen wurde T. stagnalis sowohl im Mai, als auch im August nachgewiesen.
T. stagnalis kommt auch in Frankreich, Irland, Skandinavien, auf der Iberischen Halbinsel und in Griechenland vor. Interessanterweise finden sich dort viele Vorkommen in Kleinstgewässern, wie wassergefüllte Felsspalten und andere Hohlformen in und auf Felsen. Hier wurde die Art auch bei Wassertemperaturen von bis zu ca. 30 Grad Celsius beobachtet.
T. stagnalis produziert, wie alle anderen beschriebenen Branchiopoden, Überdauerungsstadien in Form der Zysten. Nach Überschwemmungs- und Überflutungsereignissen schlüpfen dann die Nauplien. Die Tiere können innerhalb von nur 10-14 Tagen geschlechtsreif werden.
Gefährdung und Artenschutz
Der Kleine Feenkrebs Tanymastix stagnalis ist, wie auch alle anderen Arten der Urzeitkrebse, durch die Lebensraumveränderungen, wie Absenkung des Grundwasserspiegels, Verfüllung/Drainierung von Senken und Feuchtwiesen, Vertiefung temporärer Senken in dauerhaft wasserführende Gewässer, Ausbau von Flüssen (hier auch die nach wie vor diskutierte Elbevertiefung) und die Umwandlung von Grünländern in Ackerland, besonders in den Flussauen stark gefährdet.
Möglicherweise ist T. stagnalis hinsichtlich der Veränderung seines Lebensraums, hier Umwandlung von Grünland in Ackerland, toleranter als E. grubii, wurde die Art doch in Niedersachsen, aber auch in anderen Teilen Deutschlands, auf Ackerflächen gefunden. Zu beachten ist, dass Acker nicht gleich Acker ist, eventuell spielt die Art der angebauten Frucht und die Bewirtschaftung eine wichtige Rolle (z. B. Hackfrüchte im Gegensatz zu Getreide). Wahrscheinlicher ist aber, dass Ackerflächen gepflügt werden, und die im Boden befindlichen "anspruchsvollen" Cysten von E. grubii diesen Eingriff, im Gegensatz zu T. stagnalis nicht überleben.
Hinweise zu möglichen Vorkommen von Tanymastix stagnalis kann die geringere Körpergröße von geschlechtsreifen, "vermeintlichen" Eubranchipus grubii geben. Bei dem Auffinden von diesen "kleinwüchsigen" Exemplaren sollten zwecks genauer Nachbestimmung immer einige Tiere mitgenommen und konserviert werden. Auch das Auffinden "vermeintlicher" E. grubii im Sommer ist als Anhaltspunkt für ein mögliches Vorkommen von T. stagnalis zu werten. Aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen ist für die Entnahme und Konservierung von T. stagnalis eine Ausnahmegenehmigung (z. B. im Rahmen der Mitarbeit beim niedersächsischen Tierartenerfassungsprogramm der Fachbehörde Naturschutz im NLWKN) notwendig.
Bitte um Fundmeldungen
Ich schreibe aktuell eine Publikation zu den verschiedenen "Besiedlungs-Geschichten" der in Deutschland vorkommenden "Urzeitkrebse", daher bin ich für die Mitteilung von Funden dankbar.
Desgleichen arbeite ich im internationalen ehrenamtlichen Projekt "Verbreitung der Großbranchiopoden in der Westpaläarktis" mit. Auch hierfür sind Fundangaben willkommen.
Größere Abbildungen als Hilfestellung zur Schnellansprache der verschiedenen Taxa
Tanymatix stagnalis: oben Weibchen, unten Männchen.
Paarung bei Tanymastix stagnalis: nach Lösung der Klammerung mit den Antennen und Antennalanhängen dauert bei dieser Art die Kopulation (Penetration) noch lange ohne die erwähnte Klammerung/Fixierung des Weibchens an.
Geschlechtsreife weibliche Feenkrebse lassen sich recht einfach anhand der Körpergröße und vor allem der Form und Farbe der Brutbeutel (Eitasche/-sack) unterscheiden, hier von oben nach unten Branchipus schaefferi, Tanymastix stagnalis und das vergleichsweise große Weibchen von Eubranchipus grubii. Die arttypischen Farben haben Signalwirkung (Gruppierung, Auffinden von Sexualpartnern; s. Färbung und "Männchen-Wahl" (male-choice)).
Geschlechtsreife weibliche Feenkrebse lassen sich recht einfach anhand der Körpergröße und vor allem der Form und Farbe der Eitaschen (Brutsack) unterscheiden, hier von oben nach unten Chirocephalus diaphanus und unten Streptocephalus torvicornis. Beide Arten, vor allem C. diaphanus, sind relativ groß.
# Video zu Tanymastix stagnalis
Thematische Karten
Tanymastix stagnalis
TK25-Rasternachweiskarte Deutschland (die Karten werden anhand Eurer Fundmeldungen in unregelmäßigen Abständen aktualisiert)
Kartengrundlage: verändert nach
"Relief Map of Germany" Wikimedia Commons https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Relief_Map_of_Germany.svg
Die Karte kann bei mir für Euer Projekt angefordert werden.