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Frühjahrs-Feenkrebs © U. Manzke

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Sommer-Feenkrebs Branchipus schaefferi
(Echter Kiemenfuss, Fischförmiger Kiefenfuss)

Von Uwe Manzke

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Branchipus schaefferi.

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B. schaefferi: Männchen mit dem zangenartigen umgebildeten 2. Antennenpaar.

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B. schaefferi: oben Männchen, unten Weibchen.

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B. schaefferi: Eier.

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B. schaefferi: Männchen mit den "Kopfzangen" (Antennen).

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B. schaefferi: links Männchen, rechts Weibchen.

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B. schaefferi: beachte Form der Brutbeutel der Weibchen.

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B. schaefferi: beachte Form und gelb-blaue Färbung der Brutbeutel der Weibchen.

Verbreitung in Niedersachsen

Der Sommer-Feenkrebs Branchipus schaefferi wurde in Niedersachsen bisher wohl nur einmal nachgewiesen. Der Nachweis stammt aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert und wurde bei Göttingen gemacht. Ein weiterer Hinweis liegt für Braunschweig vor, ein (ehemaliges) Vorkommen hier ist aber unwahrscheinlich. Die Art gilt in Niedersachsen als ausgestorben. Auch in (West-) Deutschland galt die Art bis Mitte der 1980er Jahre als ausgestorben. Mittlerweile gelangen wieder Nachweise.
B. schaefferi ist eine sehr wärmebedürftige Art und ist in Deutschland nur in den kontinental geprägten Bereichen anzutreffen. Mögliche Initial-Populationen können sich in den atlantisch geprägten Regionen nicht langfristig halten. Die Art dürfte daher nicht zu den natürlichen Faunenelementen Niedersachsens zählen (s.a. unten Vorkommen in Deutschland).

Vorkommen in der Region Hannover

B. schaefferi wurde bisher nicht in der Region Hannover nachgewiesen. Ein vermeintlicher Fund von B. schaefferi erwies sich als Fundort von Eubranchipus grubii.

Lebensraum

Der Sommer-Feenkrebs B. schaefferi kommt in Deutschland oft mit dem Kiemenfuß Triops cancriformis und auch mit dem Linsenkrebs Limnadia lenticularis gemeinsam in denselben Gewässern vor. Die rezenten Nachweise in Deutschland gelangen überwiegend auf (ehemaligen) Truppenübungsplätzen in den wärmeren, kontinental geprägten Regionen. Der Sommer-Feenkrebs wurde oft in regenwassergefüllten Fahrspuren, aber auch in temporären Tümpeln gefunden. Zumeist haben diese Gewässer einen lehmhaltigen Untergrund und sind weitgehend vegetationsfrei. Alle Gewässer liegen im Offenland, für Waldgewässer gibt es keine Nachweise.

Biologie und Ökologie

B. schaefferi ist eine Sommerform und erst bei höheren Temperaturen zu finden. Nachweise sind in Deutschland für den Zeitraum April bis November belegt. B. schaefferi legt, wie alle anderen beschriebenen Branchiopoden Zysten ("Dauereier"). Der Sommer-Feenkrebs schlüpft nicht in jedem Jahr und kann daher bei einer einmaligen Untersuchung leicht übersehen werden. Aus den Zysten, die sehr trocken- und kälteresistent sind, können auch erst nach vielen Jahren Larven schlüpfen. Dies ist eine sehr gute Anpassung an die ephemeren (temporär wasserführenden) Lebensräume dieser Krebsart.

Gefährdung und Artenschutz

Der Sommer-Feenkrebs B. schaefferi gilt in Niedersachsen als ausgestorben. B. schaefferi ist eine sehr wärmebedürftige Art,weshalb die Verbreitung in Deutschland auf die kontinentalen Regionen beschränkt ist. Daher fehlt die Art in Niedersachsen (atlantisch geprägtes, kühleres Klima).
Gezielte Nachsuchen in den Lebensräumen von Triops sowie auf Truppenübungsplätzen, insbesondere mit Betrieb von Kettenfahrzeugen (Panzer) sind für Funde am erfolgversprechendsten. Zu beachten ist, dass B. schaefferi nur wenige Wochen, zumeist nach stärkeren Sommerregen, auftreten kann. Hinweise über das Vorkommen von Urzeitkrebsen kann eine Trübung der Wasserstellen geben.

Vorkommen in Deutschland

Ob Deutschland zu den natürlichen Verbreitungsarelaen von B. schaefferi zählt, ist noch ungeklärt. Ich vermute, dass die Art erst durch den Menschen eingeschleppt wurde. Die meisten Funde von B. schaefferi wurden auf Truppenübungsplätzen gemacht. Dies gilt für aktuell genutzte, aber insbesondere für die alten nicht, mehr genutzten militärischen Übungsplätze, wie die vielen "Kugelfang-Nachweise" (= Schießplatz).

Auch vermute ich, dass es zwei verschiedene "Stämme" in Deutschland gibt, und zwar einen westdeutschen und einen ostdeutschen (= "NATO-schaefferi" vs. "Warschauer-Pakt-schaefferi"). Diese beiden "Stämme" dürften sich in der genetischen Ausstattung unterscheiden. Die Arbeit von Lukic et al. (2019) scheint diese Hypothese zu bestätigen.

Bitte um Fundmeldungen

Ich schreibe aktuell eine Publikation zu den verschiedenen "Besiedlungs-Geschichten" der in Deutschland vorkommenden "Urzeitkrebse", daher bin ich für die Mitteilung von Funden dankbar.

Frühjahrs-Feenkrebs, Feenkrebs - Eubranchipus grubii